Freitag, 22. Oktober 2010

Arnon Grünberg "Mitgenommen"

Am Dienstag fand mal wieder eine interessante Autorenlesung im Oberlandesgericht Schleswig statt. Von dem niederländischen Autor und Kolumnist mit deutschen Wurzeln, Arnon Grünberg, hatte ich bis dahin noch nicht viel gehört und noch nichts bewusst gelesen.

Meine Mutter hatte sich natürlich schon umfassend informiert und laut ihrer Aussage sollte es ein schöner Abend werden. Der Saal im Roten Elefanten war dann auch fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Nachdem die ehemalige OLG-Präsidentin Konstanze Görres-Ohde einer kurzen Einführung über den Autor, sein Leben und seine Auszeichnungen gehalten hatte, durfte dieser das Wort ergreifen. Auch er hat noch ein paar freie Worte an uns gerichtet, bevor er angefangen hat, aus seinem neuesten Roman „Mitgenommen“ (im Original „Our Uncle“) vorzulesen.

Arnon Grünberg hat in einem fast perfekten Deutsch vorgetragen. Jedoch wurde der Vortrag durch seinen niederländischen Akzent noch aufgewertet. Der Übersetzter Rainer Kersten hat ganz Arbeit geleistet, denn man konnte die Handlung richtig miterleben und hatte das Gefühl neben dem kleinen Mädchen im gelben „Pijama“ zu stehen. Der Autor hat aus drei Kapiteln vorgelesen, in denen es um das Schicksal der kleinen Lina (dem Mädchen im gelben „Pijama“) geht. Sie wurde als Kind während des Bürgerkriegs irgendwo in Südamerika ihrem Zuhause entrissen und von einem Major mitgenommen. Der Soldat versucht durch diese Tat seine Ehe zu retten, da seine Frau sehr unter ihrer Kinderlosigkeit leidet.

Was später aus dem Mädchen wird, hat der Autor nicht verraten, nur, dass sie bis ins Erwachsenenalter begleitet wird. Nach der Lesung stand er dem Publikum noch Rede und Antwort und natürlich zur Autogramm- und Bücher-signierungsstunde zu Verfügung.

Die Handlung des Romans hat einen realen Hintergrund, greif sie doch auf die Aktionen der Militärjunta Argentiniens, wo Offiziere zunächst die Eltern töteten und dann die Kinder in ihre eigenen Familien mitnahmen, zurück. Auch die Besuche des Autors in Afghanistan und im Irak hatten einen Einfluss auf den Schaffensprozess.

Natürlich haben meine Mutter und ich uns das Buch gekauft und ich freue mich riesig darauf, es demnächst lesen zu können. Diese Autorenlesung war wirklich ein Highlight.

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