Montag, 2. November 2009

Essen in Malawi 1.11.2009

Nicht nur mein Essverhalten hier in Malawi hat sich grundlegend zu dem in Deutschland verändert, sondern anscheinend auch mein Geschmack.
In Deutschland war ich zugegebenermaßen ein ziemlicher Fast-Food-Junkie, was hier in Malawi, und vor allem in Kasungu, (leider) nicht möglich ist. Seitdem wir unser Haus bezogen haben, sieht man mich täglich in der Küche stehen und kochen. Meistens teile ich mir die Arbeit mit Alina, mit der ich mich jetzt richtig gut verstehe, doch da sie diese Woche in Mua ist, bin ich ganz allein. Es bringt echt Spaß hier zu kochen und außerdem ist es die billigste Variante, sich selbst zu versorgen und abwechslungsreicher als jeden tag nur Brot zu essen. Aber, ob ich in Deutschland täglich am Herd stehen werde, ist fraglich…

Und jetzt zum veränderten Geschmack. In Deutschland habe ich Tomaten nur ungern gegessen, Käse nur, wenn er geschmolzen auf Pizza war und mit Bananen konnte man mich jagen. Mittlerweile gehören Tomaten zu meinem Lieblingsessen und jeden Tag mit auf den Teller und das nicht in Form von Ketchup, wie ich es gerne in Deutschland bis zum Umfallen zelebriert habe. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Tomaten hier richtig frisch sind und auf jeden Fall viel besser schmecken, als in Deutschland.
Der Grund, warum ich hier voll auf Käse abfahre, kann aber nicht der gleiche sein, denn Käse und auch Milch sind hier schwer zu bekommen und recht teuer, was zum einen wohl an der weitverbreiteten Lactoseintoleranz der Malawier liegt und zum anderen daran, dass es hier kam Milchkühe gibt. Ich glaube eher, das liegt daran, dass Milchprodukte hier so schwer zu bekommen sind und man sie deshalb viel mehr schätzt. Und mit Käse verbinde ich auch hier hauptsächlich Pizza. Und die könnte ich gut mal wieder essen.
Und jetzt zu den Bananen. In Deutschland hatte ich eine akute Bananenintoleranz. Nicht einmal getrocknet im Müsli habe ich sie gegessen. Schon vor dem Geruch und der Konsistenz habe ich mich geekelt. Dann habe ich hier aus versehen Bananenkuchen gegessen und die Bananen nicht heraus geschmeckt. Und jeder hier behauptet, dass die Bananen in Malawi ja auch viel besser schmecken würden, als sonst wo. Und dann am Donnerstag, als wir mit Mr. Lwinga erst bei der Tischlerei und dann in der Stadt waren, hat Alina sich überreden lassen, Bananen zu kaufen. Bis heute lagen die Bananen bei uns in der Küche auf der Arbeitsplatte und Alina will sie nicht essen, weil sie genauso wenig wie ich, Bananen mag. Jetzt ist Alina für eine Woche weg und ich werfe nicht gerne Essen weg und ich weiß nicht, ob sich die Bananen eine Woche lang halten (sie sehen schon jetzt nicht mehr gut aus). Naja, und da ich ja von meinem veränderten Geschmacksinn gesprochen habe, liegt wohl nahe, dass ich eine Banane probiert habe und sie nicht ganz so abstoßend fand, wie ich gedacht habe. Tja, das wird bestimmt nicht mein Lieblingsessen, aber eine halbe Banane kann ich schon mal essen…

Und jetzt noch eine Sache, die nicht unbedingt nur was mit Verhalten oder Geschmack zu tun hat, sondern eher mit Überzeugung. Seitdem ich in Kasungu bin, bin ich Vegetarier. Ich habe zwar noch ein Mal Fisch gegessen und würde es in der gleichen Situation eventuell auch noch mal machen, denn ich wurde von einer Lehrerin hier eingeladen und hätte es als zu unhöflich gefunden, wenn ich abgelehnt hätte. Nicht jeder Malawier wurde schon mal mit einem Vegetarier konfrontiert und manchmal ist es schwer zu erklären, warum man keine Tiere isst. Ich finde es ethisch nicht korrekt, andere Lebewesen zu essen. Auch möchte ich nicht daran Schuld sein, dass andere Lebewesen getötet oder schlecht gehalten werden. Konsequenter Weise müsste ich mich also vegan ernähren, was aber in der Praxis nicht immer einfach umzusetzen ist. Hier in Malawi werden aber wohl fast alle Tiere artgerecht gehalten. Immerhin laufen die Hühner hier frei rum. Und mit frei ist hier fast komplett frei gemeint, denn wenn sie wollen, könnten sie mich sogar in unserem Haus besuchen… Uns so viele andere tierische Produkte nehmen wir hier gar nicht zu uns, wenn man mal von der Milch und den Eiern im Brot absehen.
Tja, Kreske, ich glaube, ich werde somit wohl genauso intolerant wie du. Dann können wir ja, wenn ich dich besuchen komme, gemeinsam Sambal-Olek-Brot essen :-).

1 Kommentar:

  1. Ich mag Bananen auch nicht, wenn sie so braun sind, aber notfalls übergieße ich sie dann mit Scchokosauce, aber die gibts bei Euch ja wahrscheinlich auch nicht. Wenn sie noch recht grün sind, kann man sie übrigens auch braten! M

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