Endlich haben wir es auch geschafft, nach Chitipa zu fahren, nachdem die ersten zwei Versuche gescheitert sind. Am Montag wurden Lilli und ich von einem Auto eines mit Mr. L. befreundeten fathers abgeholt. Die drei Kinder meines Supervisors saßen schon im Auto. Wir haben dann noch ein paar Mitfahrer eingesammelt, damit wir ein Bisschen Benzingeld durch Mitfahrer verdienen konnten. Und dann ging die Fahrt richtig los. Lilli und ich saßen mit den meisten anderen hinten im geschlossenen Pickup. In Karonga haben wir Peter aufgesammelt. Nachdem wir ihn erst vergeblich im dortigen College gesucht haben, ist er in der Stadt zu uns gestoßen. Leider ist der größte Teil der Straße von Karonga nach Chtipia nur dirt road, was die Fahrt ziemlich unbequem gemacht hat. Zwischendurch haben wir einmal angehalten, um einen Blick auf den Malawisee zu werfen, der im Norden sehr dicht an der Straße liegt. Und nach 12 Stunden und circa 15 Minuten sind wir tatsächlich an unserem Ziel, dem Haus der Familie meines Supervisors, angekommen. Es war schon dunkel und eigentlich wollten alle nur noch schlafen.
Natürlich haben wir dann erst einmal alle anwesenden Familienmitglieder begrüßt und uns kurz mit ihnen unterhalten. Dann gab es auch noch Essen. Danach konnten wir uns endlich schlafen legen. Natürlich haben wir nach Geschlechtern getrennt unsere Nachtruhe gefunden. Peter hat mit meinem Supervisor und dem Fahrer im Wohnzimmer auf Matratzen geschlafen. Lilli und ich haben uns eine Matratze in einem Zimmer, in dem sich die größte Tochter des Familienoberhaupts mit der Tochter meines Supervisors da Bett geteilt hat, geteilt. Es war leider nicht besonders warm und ich konnte nicht besonders gut schlafen, aber am nächsten Morgen war relativ gut ausgeruht und wieder früh wach.
Mir wurde dann die nähere Umgebung gezeigt und ich habe tatsächlich eine andere Weiße kennengelernt. Sie wohnt und arbeitet für zwei Jahre als Peace Corps Freiwillige in dem kleinen Dorf bei Chitipa. Es ist bestimmt nicht einfach, so weit entfernt von einer größeren Gemeinde zu leben, zumal es auch keinen Strom und fließend Wasser gibt. Auch benötigt man mit einem Pickup knapp 2 ½ Stunden um von Chitipa nach Karonga, der nächst größeren Stadt, zu kommen. Später habe ich noch die Schule und den Markt gesehen. Den Rest des Tages haben wir mit ein paar Familienangehörigen zuhause verbracht.
Am Mittwoch hat Peter uns dann schon wieder verlassen, weil er nochmal in den Süden fahren wollte. Lilli und ich haben dann an einer Grabsteinbau-Zeremonie teilgenommen. Auch hier waren die Aktivitäten wieder zwischen Frauen und Männern aufgeteilt. Die Männer gaben erst das Grundgerüst des Grabsteines gemauert und dann mit Zement verputzt. Zum Schluss wurde in den noch feuchten Zement der Name und sowohl Geburts-, als auch Sterbedatum geritzt. Da die Verwandten, für die diese Gedenksteine sein sollten, schon vor einiger Zeit gestorben sind, konnte man sich bei dem einen anfangs nicht über das genaue Datum einig werden. Hier spielt Zeit oft nicht so eine große Rolle, oder wird anders gerechnet. Viele ältere Menschen wissen auch ihr Geburtsjahr nicht genau, oder an welchem Tag sie geboren sind. Lilli und ich waren die meiste Zeit bei den Frauen, die dafür zu sorgen hatten, dass die Männer mittags Essen bekommen. Wir konnten auch ein Bisschen helfen. Ich durfte in einem autoradgroßem Kochtopf Nsima kochen. Nachdem ich einige Zeit gerührt hatte, wurde mir die Arbeit aber wieder abgenommen. Die Frauen brauchen hier ziemlich starke Muskeln um große Mengen zu kochen, denn das Nsima umzurühren kann manchmal ziemlich schwer werden. Zum Schluss wurden noch ein paar Reden an den Grabsteinen gehalten und für die Mithilfe gedankt.
Am Donnerstag haben Lilli, mein Supervisor, zwei seiner Kinder, der Fahrer, zwei Boys vom Dorf-Chief und ich uns auf den Weg zurück in den Süden gemacht. Da wir das Auto geliehen habe, um ein paar Sehenswürdigkeiten besuchen zu können, sind wir noch nach Livingstonia gefahren. Leider waren wir recht spät und hatten nicht gedacht, dass der Aufstieg auch mit dem Auto so beschwerlich werden und lange dauern würde. Aber wir haben es schussendlich geschafft, konnten kurz die Aussicht genießen, uns die Livingstonia Mission angucken und mussten dann schnell weiter fahren um noch einigermaßen früh in Rumphi anzukommen. Bei den dortigen Freiwilligen haben wir dann übernachtet, die sich wohl ein Bisschen von uns überfallen gefühlt haben, auch wenn wir angemeldet waren.
Nachdem wir am nächsten Morgen gefrühstückt haben, ging die Reise weiter. Zwei Freiwillige aus Rumphi haben uns bis Mzuzu begleitet. Wir haben dann noch einen kleinen Abstecher nach Chipunga gemacht, wo ich mich von einer Freiwilligen verabschieden konnte, die ich wohl wieder erst in Deutschland sehen werde. Lilli ist dann in dort geblieben um dort noch einen weiteren Tag zu verbringen. Ich habe mich mit den anderen auf den Rückweg gemacht und bin schließlich nachmittags ziemlich K.O. in Kasungu angekommen. So schnell möchte ich keine langen Pickupfahrten über Holperpisten mehr machen. Jetzt freue ich mich darauf, ein paar Tage hier zu verbringen und meine Sachen zu packen, die Werkstatt komplett aufzuräumen und mich von allen zu verabschieden.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen